Hier gelangen Sie zur Homepage der Stadt Blaubeuren swp.de
   



Lokales
Sport


Mitteilungen





 
 
DAS BLAUMÄNNLE
 
VERWALTUNG / Staatliches Notariat in Blaubeuren macht Ende des Jahres zu
Laichinger Notarin künftig zuständig
Miriam Weeger freut sich auf die freiberufliche Arbeit - Grundbücher beim Amtsgericht
Das staatliche Notariat in Blaubeuren schließt zum Ende des Jahres im Zuge einer umfassenden Reform. Für Grundbücher ist dann das Amtsgericht Ulm zuständig. In anderen Beurkundungs-Fällen werden sich die Blaubeurer wohl ans Laichinger Notariat wenden.
THOMAS SPANHEL
Von Januar 2018 an wird Miriam Weeger als freiberufliche Notarin in Laichingen für Beurkundungen im nordwestlichen Alb-Donau-Kreis zuständig sein. Abgesehen von den Amtsgerichtsstädten Ulm und Ehingen gibt es dann im Kreis nur noch in Laichingen und Langenau einen Notar. Das staatliche Notariat in Blaubeuren schließt zum Ende des Jahres ebenso wie die entsprechenden Ämter anderswo im Kreis - in Blaustein, Schelklingen, Illerkirchberg und Munderkingen. Miriam Weeger persönlich freut sich auf die Veränderungen: "Danach kann wieder mehr Konstanz einkehren." In den vergangenen Jahren waren die Arbeitsbelastungen und Unsicherheiten in den staatlichen Notariaten angesichts der anstehenden großen Reform und wegen des Immobilienbooms ganz enorm, berichtet sie. So wurde beispielsweise das bisher in Blaubeuren beheimatete Grundbuch 2015 ans Amtsgericht nach Ulm überführt, in Laichingen steht das im Juli diesen Jahres noch bevor. Der nachlass- und betreuungsgerichtliche Bereich wird zum Jahreswechsel zum Amtsgericht Ulm wechseln. Für die Beurkundung neuer Verträge muss man derzeit vier bis sechs Wochen Wartezeit einplanen. Immer wieder gab es Personalwechsel und die vom Ministerium festgelegten engen Personalschlüssel mussten eingehalten werden. "Künftig bin ich als freiberufliche Notarin für die Abläufe im Amt selbst verantwortlich, kann selber planen und Personal einstellen, wenn es zeitlich zu eng wird." Sie hat vor, die Anzahl der Beschäftigten zu erhöhen. Natürlich muss sie aber auch künftig darauf achten, wirtschaftlich zu arbeiten.
Kreative Arbeit gewählt
Die 30-Jährige, die gegenwärtig in Laichingen als Amtsverwalterin agiert, hat sich bewusst dafür entschieden, selbständig zu werden. Sie hätte auch als Beamtin weiterarbeiten können, so wie das andere in ähnlicher Situation tun - dann unter dem Dach eines der Amtsgerichte, die künftig die Grundbücher führen und für die Nachlass- und Betreuungsgerichte zuständig sind. Dies hätte jedoch vor allem Akten-Arbeit und gerichtliche Tätigkeit bedeutet. Das entsprach nicht ihren Interessen: "Mir macht der kommunikative und kreative Bereich der Arbeit am meisten Spaß." Bei ihr geht es nun künftig vor allem darum, Verträge sinnvoll aufzubauen oder im Gespräch mit Familien oder Unternehmern zu entwickeln, wie erb-, familien- oder gesellschaftsrechtliche Regelungen ausgestaltet werden könnten. Hinzu kommt dann wie bisher auch die Kontrolle der Umsetzung der beurkundeten Verträge. Das ist vor allem beim Grundstücksrecht von besonderer Bedeutung. Welche Faktoren gaben bei der Entscheidung den Ausschlag, dass gerade Laichingen als Sitz des neuen freiberuflichen Notariats ausgewählt wurde? "Die Bevölkerungszahlen im Einzugsgebiet, die Zahl der Beurkundungen und der Weg bis zum nächsten Amtsgericht haben sicher eine Rolle gespielt", berichtet die Amtsverwalterin. Letztlich sei das aber eine politische Entscheidung gewesen. Ursprünglich sei Laichingen auch nicht für ein eigenes Amt vorgesehen gewesen. Miriam Weegers Start in Laichingen ist gelungen. Sie kam schon im November 2015 als Notarvertreterin ans Laichinger Amt und wurde dann im August des vergangenen Jahres zur Amtsverwalterin bestimmt, nachdem ihre Amtsvorgängerin Helga Seyfang in den Ruhestand gegangen war. Die Stadt Laichingen ermöglichte ihr dann den Umzug in neue große Räume in der Gartenstraße mit schönen Blicken über die Stadt. "Da haben wir jetzt viel bessere Bedingungen als in der Kirchstraße." Mit zu dem guten Start hat sicher auch beigetragen, dass die 30-Jährige im nahen Kreis Göppingen aufgewachsen ist und jetzt mit ihrer Familie, zu der auch zwei Kinder gehören, in Bad Boll lebt. Die Reform der Notariate wurde bereits 2007 eingeleitet. Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, das noch staatliche Notariate unterhält. Auch die Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs spielte bei der Umwandlung eine gewisse Rolle. Die örtliche Nähe der Ämter geht dadurch zwar teilweise verloren. Allerdings können sich künftig Bürger und Gesellschaften ganz frei diejenigen Notare aussuchen, die sie am liebsten mit ihren Beurkundungen beauftragen wollen. Alle Notare haben eine gründliche juristischen Ausbildung, sind zur Neutralität verpflichtet, verlangen dieselben Gebühren und werden vom Justizministerium bestellt.
Schließung bedauerlich
Blaubeurens Bürgermeister Jörg Seibold bedauert die Schließung des Blaubeurer Notariats zum Ende des Jahres: "Damit stehen unseren Bürgern gewisse Dienstleistungen nicht mehr direkt vor Ort zur Verfügung. Ein Stück Bürgernähe geht verloren." Die Reform sei keine Stärkung des ländlichen Raumes. Allerdings macht es das Rathaus möglich, Beglaubigungen von Unterschriften oder Abschriften zum Beispiel für Eintragungen ins Vereinsregister bei den Ratschreibern zu erledigen. Seibold hätte das Notariat natürlich gerne in Blaubeuren erhalten. Die Stadt stellte die Räume und Ausstattung zur Verfügung, führte Gespräche mit Politikern und dem Landgerichtspräsidenten. Aber: "Die Schließung war nicht zu vermeiden." Auf die Kriterien zur Schließung habe die Kommune keinen Einfluss nehmen können.
 
Erscheinungsdatum: 24.02.2017, Copyright Das Blaumännle
 
 
    nach oben  
 
 
Content-Partner von www.swp.de