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DAS BLAUMÄNNLE
 
ARCHITEKTUR / Evangelische Gemeinde in Gerhausen feiert ihren zentralen Treffpunkt
Buntes Farbenspiel in schlichter Kirche
Gebäude im Bauhaus-Stil zum 90-jährigen Bestehen ins rechte Licht gerückt
Die Kirche in Gerhausen ist ein Kulturdenkmal und 90 Jahre alt geworden. Das hat die evangelische Gemeinde am Wochenende gefeiert. Es gab eine Kirchenführung, besondere Beleuchtung, Musik, Treffen und Festgottesdienst.
MARGOT AUTENRIETH-KRONENTHALER
Eigentlich ist es der Evangelischen Kirchengemeinde Gerhausen derzeit nicht nach Feiern zumute, verliert sie doch durch die Umsetzung des Pfarrplans in absehbarer Zeit ihre Pfarrstelle. Trotzdem ließen es sich die Gemeindeglieder nicht nehmen, das 90-jährige Bestehen ihrer Kirche ein Wochenende lang zu feiern. Die Kirche gilt als hochwertiges Kulturdenkmal, enthält sie doch Elemente des damalig aufgekommenen "Bauhaus-Stils" oder der "Neuen Sachlichkeit". Zudem zeigt sie expressionistische Einflüsse in der Architektur. Das Gotteshaus ist eines der wenigen, die in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erbaut wurden. Der Kirchenneubau war notwendig geworden, weil sich viele Arbeiter der damaligen Zementwerkindustrie in Gerhausen niedergelassen hatten. Das Kirchle auf der Blauinsel war zu klein geworden. Die Inflation fraß fast das gesamte für den Neubau angesparte Geld der Gemeinde auf. Die Gerhauser ließen sich aber nicht entmutigen. Spenden, ein Kredit und großzügige Rückzahlungsmodalitäten ermöglichten den Neubau in der Schulstraße doch noch. Am zweiten Advent 1927 war die Einweihung. Als eine der ersten in Betonbauweise gebauten Kirche legt sie ein architektonisch-künstlerisches Zeugnis ab von einer Zeit im Aufbruch, die mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus ihr Ende fand.
Farbenfrohe Glasfenster
Die im Innern eher schlicht gehaltene Kirche besticht vor allem durch ihre bunten Glasfenster. Im großen Chor visualisieren sie das Glaubensbekenntnis und sind sehr farbenprächtig gestaltet. Im Schiff ist die Farbgebung der Fenster zarter, bei Sonnenschein erstrahlen die vor die Fenster gebauten Nischen in verschiedenen Farben und erinnern in ihrem beeindruckenden Farbenspiel an einen Regenbogen. Die vielfältige Symbolsprache weist immer wieder auf Jesus Christus hin. Die Ausstattung der Kirche ist stilistisch dem Jugendstil und Art Deco zuzuordnen. Ins Auge fallen Kanzel, Altar und Taufstein aus dem Werkstoff Terrakotta. Dieses und einiges mehr erfuhren Interessierte bei einer Kirchenführung am Samstagnachmittag. Zum Auftakt des Jubiläums wurde die Jubilarin am Freitagabend ins rechte Licht gesetzt. Bei Einbruch der Dunkelheit illuminierte das Technische Hilfswerk Blaubeuren die Kirche mit starken Strahlern. Nach einer musikalischen Adventsandacht mit Instrumentalisten und einem Chorprojekt traf man sich vor der Kirche und tauschte sich bei Glühwein und einem Imbiss aus. Die Blicke gingen dabei immer wieder in die Höhe, so hatte in Gerhausen die Kirche noch nie gestrahlt. Beim Festgottesdienst am Sonntag spürte Ortspfarrer Johannes Mack den Fragen nach: "Wo wohnt Gott?" und "Wo ist das Haus Gottes?" Menschen im Ort verbänden mit der Gerhauser Kirche konkrete Erlebnisse von der Konfirmation, über Hochzeit, Taufe oder Trauerfeier. Sie hätten in ihr Erfahrungen gemacht. Etwa, dass Glaube und Vertrauen gewachsen seien oder dass sie Trost erfahren konnten, sagte der Seelsorger. Dort wo Menschen mit ihrer Geschichte auf Gottes Geschichte träfen, da könne man erleben, dass dort Gott Wohnung nehme. Vertrauen gewachsen Nach dem Gottesdienst gab es ein kleines Geburtstagsständchen für die Kirche. Das Ulmer Vokalensemble "Die Choristen" wartete mit einer kühnen Mischung an sehr unterschiedlichen Gesängen auf. Die sieben jungen singfreudigen Männer haben ihre Wurzeln bei den St. Georgs Chorknaben Ulm. Locker und mit Charme führten sie durchs Programm und stimmten klanglich schön Lieder an, von dem Weihnachtslied "Es ist ein Ros entsprungen" über "Let it snow" bis hin zu "California Dreaming" oder "Only you". Krankheitsbedingt stimmlich etwas indisponiert und personell reduziert schlugen sie sich dennoch wacker und ernteten Beifallsstürme von den rund sechzig Zuhörern. Ein Geburtstagslied für den Pfarrer gab es obendrein. Zum Abschluss waren alle Besucher ins angrenzende neue Gemeindehaus zu einem kleinen Mittagessen und gemütlichen Beisammensein eingeladen. Lob gab es für alle ehrenamtlichen Helfer die das dreitägige Programm gestemmt hatten.
 
Erscheinungsdatum: 15.12.2017, Copyright Das Blaumännle
 
 
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