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DAS BLAUMÄNNLE
 
UMWELT / Beauveria-Pilz soll Vermehrung der Maikäfer eindämmen
Wenn der Himmel Schwarz wird
Unzählige Engerlinge wachsen derzeit im Wiesental bei Weiler heran
Bei Blaubeuren-Weiler wachsen Millionen Engerlinge heran. Sie sollen mit einem Pilz bekämpft werden. Klappt das nicht, droht eine Maikäfer-Plage.
PETER SCHUMANN
Hermann Stolz und die anderen Grundstücksbesitzer der Flächen im Wiesental können nur hoffen, dass die Aktion des landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg ein Erfolg wird. Falls nicht, dann droht den Bewohnern von Blaubeuren-Weiler im kommenden Jahr eine Plage. Denn im Boden des fast zwölf Hektar großen Gebietes wachsen derzeit Millionen von Engerlingen heran. Falls das Ausbringen des Beauveria-Pilzes kein Erfolg wird und dieser nicht den Großteil der Engerlinge vernichtet, wird es 2018 duster für Weiler. Dieses Schauspiel hat Stolz 2015 schon einmal beobachtet. "Der Himmel war total schwarz." In seinem Logbuch hat er vermerkt, dass zwischen dem 3. und 4. Mai unzählige Maikäfer auf dem Weg zu den am Hang liegenden Wald waren. Dort fraßen sie sich voll, die Weibchen machten sich bis zu dreimal auf, um Eier im Wiesental abzulegen. Und deren Generation setzt im nächsten Jahr den Kreislauf von Geburt und Tod fort (siehe Info). "Das hier ist ein altes Maikäfergebiet", sagt Dr. Michael Glas, der Leiter des Technologiezentrums. Er ist mit seiner Mannschaft zum zweiten Mal in Weiler. Vor zwei Jahren, als er und sein Team erstmals den Beauveria-Pilz ausbrachten, hatte die Aktion nicht den gewünschten Erfolg, weil die Maschine, die den Pilz in den Boden bringen soll, nicht die richtige war. Sie brachte den Pilz, der gewissermaßen an Getreide angedockt ist, nicht tief genug in den Boden. Wird er in der richtigen Tiefe (mindestens zehn Zentimeter) ausgebracht, bewirkt er Folgendes: Kommt der Engerling auf der Suche nach Nahrung mit dem Pilz in Berührung, setzt sich dieser an dem Tier fest. Der Pilz wächst durch den Chinin-Panzer und befällt die inneren Organe. Etwa sechs Wochen später ist vom Engerling noch eine weiße Pilzmasse übrig. Auch in der vergangenen Woche gab es Probleme, als der Pilz auf rund 8,8 Hektar ausgebracht werden sollte. Denn das Getreide mit dem Pilz verklumpte in einer von drei Röhren des Ackergeräts und gelangte deshalb nicht überall in den Boden. Weitere 2,7 Hektar wurden nicht beackert, weil die sechs Grundstückseigentümer sich nicht an den Kosten beteiligen wollten. Diese belaufen sich auf immerhin etwa 300 Euro pro Hektar. Doch die Besitzer müssen diese nicht allein tragen. Stadt und Landkreis beteiligen sich. Die Population im Wiesental hat Michael Glas sehr beeindruckt. "30 Engerlinge pro Quadratmeter sind schon sehr viel." Das macht hochgerechnet rund 300 000 Engerlinge pro Hektar. Bei fast zwölf Hektar kann das weit über drei Millionen Käfer ausmachen, die ausfliegen und riesige Schäden anrichten können. Engerlinge ernähren sich vom zweiten Larvenstadium an von Wurzeln, meist Gräsern. Stolz hat vor zwei Jahren Fotos gemacht, auf denen die ansonsten grünen Wiesen braun sind, weil sämtliche Gräser abgestorben waren. Die Käfer können Obst- und andere Laubbäume kahlfressen. Stolz und Ortsvorsteher Wolfgang Dieminger hatten vor vielen Jahren wegen der Maikäferplage Alarm geschlagen. Doch es dauerte, bis die Behörden reagierten. Erst 2009 habe sich das Landratsamt darum gekümmert, erinnert sich Stolz. Jetzt hoffen alle, dass die diesjährige Aktion erfolgreich ist.
 
Erscheinungsdatum: 21.04.2017, Copyright Das Blaumännle
 
 
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