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WETTER / SEENLANDSCHAFT IM BLAUTAL
Viel Wasser drückt aus dem Blautopf
Höhlenverein erfasst mit seiner Telemetrie-Anlage Wasserstände und Temperaturen
Vom 5. auf 6. Januar hat der Blautopf mit 14,8 Kubikmetern pro Sekunde so viel Wasser ausgeschüttet wie schon lange nicht mehr. Auch in der Vetterhöhle bildete sich aufgrund des vielen Regens ein See.
THOMAS SPANHEL
Blaubeuren·: Von dem Jahrhunderthochwasser im März 1988 waren die Überschwemmungen am vergangenen Wochenende weit entfernt. Allerdings ist eine Seenlandschaft im Blautal wie Anfang der Woche schon länger nicht mehr vorgekommen. Die Schüttung des Blautopfs erreichte am Abend des 5. Januars 14,81 Kubikmeter pro Sekunde. In den vergangenen zehn Jahren lag die Schüttung nur etwa 2011 höher - bei knapp 20 Kubikmeter pro Sekunde. Beim Jahrhunderthochwasser 1988 drängten aus dem Blautopf rund 32 Kubikmeter Wasser in der Sekunde heraus.
"Im Jahresdurchschnitt sind die Abflüsse aber vergleichsweise niedriger als in früheren Jahren", berichtet Markus Boldt, Vorsitzender des Höhlenvereins, von seinen Erkenntnissen aus Messungen in den Höhlen. Zwischen 1988 und 2006 gab es beispielsweise einige Jahre, in denen extreme Abflüsse von über 20 Kubikmeter pro Sekunde vorkamen, zeigt die Landesanstalt für Umwelt.
Um regional das Klima genauer beobachten zu können, betreibt der Höhlenverein Blaubeuren seit 2009 eine sogenannte Telemetrie-Anlage in der Vetterhöhle des Blauhöhlensystems. Diese zeichnet Wasserstände und Temperaturen in der "Abzweighalle" und im "Wolkenschloss" auf. Außerdem werden die Lufttemperatur und der Luftstrom in der Vetterhöhle erfasst. Die extrem genauen Mess-Sensoren geben ihre Daten an eine Amateurfunk-Station in der Blaubeurer Marktstraße weiter, wo sie gesammelt werden. Anhand der Grafiken aus den Messdaten, die eine Woche zurückreichen, konnte man nachvollziehen, dass die rund sechs Liter Regen am 1. und 2. Januar kaum zu einem höheren Abfluss am Blautopf beitrugen. Der Regen am 3. Januar mit elf Liter pro Quadratmeter ließ dann den Abfluss des Blautopfs auf fast 8 Kubikmeter pro Sekunde steigen. Am 4. Januar schließlich regnete es 30 Liter pro Quadratmeter. Dieser Regen verursachte schließlich den Höchststand am 5. Januar, erläutert Boldt.


Schmelzwasser messbar

Für den Höhlenforscher ist interessant, wie sich bei solchen Regen-Ereignissen die Situation in den Höhlen verändert. In der Abzweighalle der Vetterhöhle entsteht dann ein tiefer See. Dieser See, so zeigen Messungen, steht in Verbindung mit dem Wasser im Wolkenschloss. Allerdings erfolgt der Anstieg der Pegel an den beiden Orten deutlich zeitverzögert. Die Verbindung zwischen den Höhlenseen, die rund 100 Meter auseinander liegen, muss sehr kleinräumig sein, folgert Boldt. Interessant ist für ihn auch, dass die Temperatur des Wassers im Wolkenschloss während des Hochwassers um zwei Zehntel Grad Celsius gefallen ist, während die Temperatur in der Abzweighalle nur leicht absank. Boldt erklärt das so, dass kaltes Wasser aus der Schneeschmelze auf der Alb ins Wolkenschloss eingetragen wurde, das sich dort mit dem relativ warmen Karstwasser vermischte.
Weitere Sensoren, die künftig in der Vetter- und in der Blauhöhle in den Felswänden platziert werden, sollen die Möglichkeit geben, eine jahreszeitliche Durchschnittstemperatur zu messen - ohne Einfluss der Sonne und auch ohne die jahreszeitlichen Schwankungen. In einer Höhle werde die durchschnittliche Temperatur der Region angezeigt, in der sie liege, sagt Boldt.

INFO


Messdaten der Höhlen-Sensoren werden alle vier Stunden in Grafiken eingespeist, die man auf der Homepage des Höhlenvereins abrufen kann: http://www.hoehlenverein-blaubeuren.de

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Erscheinungsdatum:  12.01.2018, Copyright Das Blaumännle
 
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